Tourismus in Oppenheim

„Rheinhessen ist eine der dynamischsten touristischen Regionen in Rheinland-Pfalz und wächst stärker als der Landestrend und auch im Vergleich zu anderen deutschen Weinregionen“, sagt der DEHOGA-Kreisverband Mainz.

Die Gäste- und Übernachtungszahlen befinden sich in Rheinhessen in einer kontinuierlichen, gesunden Aufwärtsentwicklung. Im 10-Jahresvergleich gewinnt Rheinhessen 31,8 % an Übernachtungen und 41 % an Gästen, so die Rheinhessen-Touristik.

Partizipiert auch unsere Stadt Oppenheim daran?

Fangen wir bei den Übernachtungen an. Was haben wir heute in Oppenheim zu bieten, nachdem das Merian-Hotel mit der Außenstelle „Zwo“ geschlossen ist? Es gibt das Alte Amtsgericht, das Gasthaus Gold`ne Krone und eine Pension, und hier und da vereinzelte Fremdenzimmer. Ein Hotel im neuen Gewerbegebiet Krämereck-Süd ist derzeit im Bau.

Busgesellschaften, die Übernachtungsmöglichkeiten in Oppenheim suchen, haben zu wenig Angebote, adäquat und kostengünstig unterzukommen. Hier muss eine Kooperation mit der Stadt Nierstein gesucht werden.

Wie sieht das mit den Tagesgästen aus? Wenn ich die Besucherzahlen des Untergrundes sehe, dann hatte Oppenheim im Jahr 2016 33.382 Untergrundbesucher, im Jahr 2017 gab es mit 34.500 Besuchern eine leichte Steigerung, aber im Jahr 2018 fielen wir mit 29.000 Besuchern unter die 30.000- Marke. Das bedeutet für das Jahr 2018 ein Minus von 15,9 % .

Die von der DEHOGA-Mainz definierten Zielgruppen und Themen sind: Weinerlebnis, Kultur, Radfahren und Wandern. Die Rheinhessen-Touristik arbeitet mit der Firma BTE Tourismus- & Regionalberatung derzeit an einem Entwicklungsplan für ein radtouristisches Grundkonzept. Wir haben mit dem Rheinterrassenweg ein Angebot auch für Radtouristen. Allerdings brauchen wir am Rheinterrassenweg auf Höhe Oppenheim Hinweisschilder auf die Gastronomie in Oppenheim.

Ich habe vor drei Jahren vor einer rückwärtigen Entwicklung der Besucherzahlen in Oppenheim gewarnt und habe bei der Rheinhessen-Touristik vorgeschlagen, die Werbung auch in Nord- und Ostdeutschland auszuweiten, da ich denke, dass unsere Destination Oppenheim mit Nierstein auch für Menschen aus Nord- und Ostdeutschland interessant ist. Die Rheinhessen-Touristik hat mein wiederholt vorgetragenes Ansinnen abgelehnt, da sie nur weiter in den Niederlanden, in Nordrhein-Westfalen, Schweiz und Österreich werben und sich nicht verzetteln wollen. Ich halte das für einen Fehler. Wir müssen weitere Märkte für uns erschließen, um an der Aufwärtsentwicklung im Tourismus in Rheinland-Pfalz auch zu partizipieren.

Das bedeutet in der Konsequenz aber auch, entweder als Tourismus-GmbH oder als Stadt selbst Geld in die Hand zu nehmen und Werbemaßnahmen in Nord- und Ostdeutschland zu finanzieren. Überdies müssen wir an der Verbesserung des touristischen Marketings arbeiten. Die Stadt als Marke bzw. positives Image muss deutlicher positioniert werden. Das Alleinstellungsmerkmal Untergrund muss deutlich herausgestellt werden. Der enorme Rückgang der Besucherzahlen im Untergrund im vergangenen Jahr ist für mich ein Alarmsignal. Wir müssen gegensteuern, um vom Trend nicht abgehängt zu werden. Im Gegenteil, ich möchte, dass wir an der Wertschöpfung aus dem Tourismus teilhaben. Der Tourismus ist auch in Oppenheim ein Wirtschaftsfaktor.

Dazu bedarf es auch einer Kooperation mit der Stadt Nierstein, die zu einer win-win-Situation führen könnte. Vor zwei Jahren sagte ich: „Nierstein hat den Anlager und wir haben die Sehenswürdigkeiten.“ Für diesen Satz bin ich in Nierstein gescholten worden. Die derzeit Verantwortlichen in Nierstein blicken leider nicht über ihren eigenen Kirchturm hinaus. Die Flusskreuzfahrtschiffe sollen meinem Vorschlag nach in Nierstein anlegen und die Gäste mit Bussen abgeholt und nach Oppenheim zum Zentralparkplatz gebracht werden. Nach einer Besichtigung des Untergrundes, der Katharinenkirche und des Deutschen Weinbaumuseums könnten Winzer die Kreuzfahrtgäste in Oppenheim abholen und zu einer Weinbergsrundfahrt Richtung Roten Hang starten. Danach sollte der Rücktransport zum Schiff folgen. Das bedarf Gespräche mit Flusskreuzfahrtveranstaltern und der Stadt Nierstein. Ich hoffe, dass nach der Kommunalwahl die neue Niersteiner Stadtspitze diesem Vorschlag aufgeschlossener gegenüberstehen wird.

Was ist kurzfristig zu leisten?

  1.  Die Geschäftsführung der Tourismus GmbH muss mit Bustouristikern sprechen, damit diese die Stadt Oppenheim als Destination in ihren Reisekalender aufnehmen. Eine Einladung zur Stadtbesichtigung an Bustouristiker, die wir im Jahre 2015 ausgesprochen haben, konnte mangels ausreichender Anmeldungen nicht durchgeführt werden. Vielleicht bringt es mehr, wenn die Geschäftsführung der Tourismus GmbH zu den Bustouristikern fährt und dort individuelle Gespräche führt.

  2. Einige Führungen sollten modernisiert angeboten werden wie z.B. eigenständige Stadtführungen mit App sowie einer elektronischen Schnitzeljagd. Auch sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, mit der auch gehbehinderte Menschen unsere Stadt besuchen bzw. sehen können.

  3. Um mehr Souvenirs zu verkaufen, empfiehlt es sich, dass die Gäste, die nach Ende einer Untergrundführung an die Oberfläche kommen, die Helme nicht dort abgeben, wo sie diese empfangen haben, sondern die Helmabgabe muss in der Touristinfo erfolgen. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Gast das eine oder andere Mitbringsel in der Touristinfo kaufen würde.

  4. Die Stadt Nierstein ist seit letztem Jahr Wanderbahnhof. Es ist zu prüfen, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, damit auch die Stadt Oppenheim mit dem Titel Wanderbahnhof werben kann.

  5. Das Land Rheinland-Pfalz hat für dieses Jahr den Tourismuspreis ausgelobt. Wenn uns ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Tourismus in unserer Stadt einfällt, können wir uns in der Kategorie „Projekt des Jahres“ bewerben. Bewerbungsschluss ist der 31.5.2019 . tourismuspreis-rheinland-pfalz.de

  6. Zu den Tourismusakteuren zähle ich auch die Gastronomie. Vor kurzem hat mir ein Gastronom aus Nierstein gesagt, dass wir rund um den Oppenheimer Marktplatz einen Einheitsbrei aus Schnitzel, Nudeln und Pizza hätten. Was der Oppenheimer Innenstadt gerade in der Mittagszeit fehlt, ist eine frische Genussküche. Das wäre ein Standortvorteil, mit dem wir uns weiterentwickeln könnten. Hier ist die Gastronomie gefragt.

  7. Es ist ein Flyer zu erstellen, der nach Ende einer Führung den Gästen übergeben werden sollte. Dieser Flyer soll auf weitere Angebote der Stadt hinweisen z.B. Themenführungen, Weinbaumuseum, Katharinenkirche, Rheinterrassenweg.

  8. Wir sollten einen Erfahrungsaustausch mit anderen Städten initiieren und Best-practic-Beispiele übernehmen.

Jeder kennt den Kölner Dom und die Straßburger Kathedrale, aber die wenigsten kennen die Katharinenkirche und den Oppenheimer Untergrund. Das möchte ich ändern!

 

Helmut Krethe  5.2.19

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